Agarrate bien, por favor! (Bitte gut festhalten!) 

Nun ist es wohl an der Zeit etwas über den Verkehr hier zu berichten sowie über mein tägliches Verkehrsmittel, den „colectivo“. Kurz gesagt: Das Klischee vom chaotischsten Verkehr der Welt wird erfüllt. Es scheint keine Regeln zu geben, höchstens Ampeln und Polizisten werden ab und an respektiert. Und wenn man in Lichtgeschwindigkeit dahin rast, kann man sich nie sicher sein,  ob die Fahrbahn gerade 2 oder doch 3 spurig ist. Jeder fährt wie er möchte, Wenden ist überall möglich und Anhalten sowieso. Oder was ist sonst die Funktion des Warnblinklichtes, wenn nicht,  um daraufhin zu weisen, dass man jetzt anhält. Und das auch an großen Avenidas. Und die Lichthupe?  Die wird von einigen Personen dazu genutzt, sich bei rechts vor links die Vorfahrt zu nehmen. Einmal kurz aufgeleuchtet und wusch geht es über die Kreuzung ohne noch eine Notiz von den Anderen zu nehmen. Im Allgemeinen gilt: Wer zuerst wagt,  der gewinnt. Nach einem Gespräch mit meiner Gastschwester, über den Führerschein in Paraguay, wurde mir schnell klar, wie es zu diesem „kilombo“ (dieses Wort wird für ein Chaos jeglicher Art verwendet) kommen kann: Die „Fahrschule“  also Theorie sowie Praxis kann hier in nur 10!! Tagen abgeschlossen werden. Dafür zahlt man nur ungefähr 20€. Der einfachste Weg, den auch viele wählen, ist, einfach auf der Straße zu üben und sich die nötigen Papiere zu kaufen…. Seit dem fühle ich mich noch unsicherer als davor. Doch am ärmsten dran sind wohl die Fußgänger. Wenn es mal einen Bürgersteig gibt, dann ist dieser meist in einem sehr desolatem Zustand. Und bei dem Versuch eine Straße zu überqueren sollte man besser sehr viel Zeit und Mut einplanen! 

Aber nun zu meinen täglichen Fahrten mit dem „Colectivo“, das sind Busse, die man nicht nur an ihren auffällig bunten Farben erkennt, sondern auch an einem unglaublichen Lärm, sowie einer riesigen Abgasewolke, die sie hinter sich herziehen. Diese Busse sieht man praktisch überall und ständig, sie sind das 2. Verkehrsmittel neben dem Auto. Eine Bahn oder ähnliches gibt es hier nicht. Zudem war es vorallem am Anfang sehr schwer,  sich mit diesen Colectivos zurecht zu finden, da es weder offizielle Haltestellen noch einen Fahrplan gibt. Eine Fahrt sieht also folgendermaßen aus: Nachdem man durch Mund-zu-Mund Propaganda die hoffentlich richtige Bus Nummer herausgefunden hat (aber Achtung: Es gibt auch von vielen Nummern verschiedene unter Nummern oder gar Farben deshalb besser nochmal beim Fahrer fragen!!) stellt man sich an den Straßenrand und wartet bis diese Nummer kommt. Die Wartezeit kann von einer Minute bis über eine Stunde so wirklich alles betragen. Dabei ist ständige Aufmerksamkeit gefordert, um seine Bus Nummer nicht zu verpassen! Dann wird der Arm rausgehalten und in der Regel stoppt der Bus daraufhin. Das Geld hält man am Besten schon bereit, da die Tickets direkt beim Fahrer gelöst werden. Man bezahlt immer einen festen Preis, egal wie weit man fährt. Die Fahrten sind wirklich günstig, sie kosten umgerechnet nur 35 oder 55 Cent. Während man dem Fahrer das Geld überreicht und dieser das Wechselgeld zusammen sucht, geht die Fahrt meistens schon los. Sich festklammernd wartet man somit auf sein Rückgeld und quetscht sich dann zwischen die anderen Menschen; die Busse sind nämlich meistens seehr überfüllt. Während viele Paraguayer nebenher noch ihr Handy checken und sich scheinbar mühelos auf den Beinen halten, bin ich nur damit beschäftigt mich so gut wie möglich festzuhalten, um bei der rasanten Fahrt und dem abruptem Bremsen nicht umzufallen. Die Gefahr wir in den meisten Bussen noch dadurch erhöht, dass immer mit offenen Türen gefahren wird, um das Ein- und Aussteigen noch zu beschleunigen. Während der Fahrt steigen oft verschiedenen Händler ein, mit Waren,  die von Zahnpasta bis Süßigkeiten reichen. Bei unserer ersten Busfahrt war es uns ein Rätsel, wie man den Bus denn wieder zum Halten bringt. Das funktioniert so: Man schiebt sich irgendwie bis hinten durch, zieht an einer Schnur oder drückt einen Knopf, je nachdem was vorhanden ist, und schon hält der Fahrer an der nächst besten Möglichkeit. Man sollte somit immer ungefähr wissen, wie das Ziel aussieht, zu welchem man fährt…. Am Anfang waren diese Fahrten jedes mal ein Abenteuer, mittlerweile habe ich mich schon etwas daran gewöhnt, auch wenn man noch so manches Mal denkt, der Bus würde gleich beim nächsten Schlagloch auseinander fallen… 

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