La virgen de Caacupé (Die Jungfrau von Caacupé) 

Der Legende nach wurde ein Guaraní Krieger (Ureinwohner Paraguays) zur Zeit der Kolonialisierung von Kriegern eines verfeindeten Stammes verfolgt und versteckte sich hinter einem Strauch. Er bat die Jungfrau Maria um Hilfe und versprach zum Dank eine Statue von ihr aus dem Holz des Baumes zu schnitzen, wenn er überlebte. Er kam davon und schnitzte gleich 2 Statuen, eine größere für die Kirche von Tobatí und eine kleinere für seine Familie. Letztere steht heute in der Basilika in der Stadt Caacupé (was auf Guaraní „hinter dem Strauch“ bedeutet). 

Warum ich mir die Mühe gemacht habe das aufzuschreiben? Diese Statue ist der Grund dafür, dass Millionen von Menschen aus Paraguay und Nachbarländern jedes Jahr schon Tage und Wochen vor dem 8. Dezember, der deshalb Nationalfeiertag ist, nach Caacupé pilgern. Schon vor unserer Ausreise hatten andere Freiwillige und ich uns vorgenommen, uns dieses Ereignis nicht entgehen zu lassen! Leider war für die gesamte Woche Dauerregen und Gewitter angesagt… Nichts desto trotz machte ich mich am 7. Dezember abends auf den Weg nach Ňemby, um die anderen Freiwilligen sowie den Gastvater eines Freiwilligen zu treffen, der jedes Jahr pilgert. Von dort aus ging es gegen 21:00 Uhr mit dem Bus etwa 1,5 Stunden nach Ypacarai, ein Sammelpunkt, von dem sehr viele Menschen aus loslaufen. Denn von dort sind es „nur noch“ ungefähr 17 Kilometer bis Caacupé… Schon die Busfahrt war ein Erlebnis schlecht hin, total überfüllt, obwohl an diesem Abend fast alle Busse nach Ypacarai fahren, verbrachten wir die Fahrt auf dem Boden sitzend umringt von grölenden, ausgelassen Paraguayern. Als wir ankamen regnete es bereist in Strömen, obwohl uns Kims Gastvater, ganz der typische Paraguayer, noch versichert hatte es wird nicht regnen und selbst ohne jegliches Gepäck oder Regenschutz losmaschiert war. Auch er besorgte sich dann noch eine Mülltüte… Mit Regencape  und Regenschirm ging es dann los, in einer riesigen Menschenmasse,  auf der dafür gesperrten Autobahn, immer weiter Richtung Caacupé. Es waren alle 4 Spuren voller Menschen und kein Anfang und kein Ende des Stroms in Sicht. Und nach einiger Zeit merkt man dann auch mit schmerzenden Füßen, dass 17 Kilometer doch kein Katzensprung sind…. Doch Müdigkeit und Schmerzen (man läuft übrigens wegen der Hitze bei Nacht) geraten in den Hintergrund, da es sehr viel zu entdecken gibt.  Überall an den Straßenrändern gibt es Grill- und Getränkestände und Öfen, in denen die typische Chipa (Gebäck aus Maismehl, Käse, Eiern, Stärke und Schmalz) zubereitet wird. Auch durch die Klänge der Reggeaton Musik und das Staunen über zahlreiche Paraguayer, die in Flip Flops laufen, verflog die Müdigkeit. Gegen halb 5 Uhr morgens erreichten wir dann Caacupé und schleppten uns mit letzter Kraft bis zur Basilika. In der ganzen Stadt campierten an den Straßenrändern schon hunderte von Menschen, um noch etwas Schlaf zu bekommen,  und auf den Plätzen um die Kirche hatten sich ebenfalls riesige Menschenmassen versammelt, um Messen und Gebete zu hören. Durch die Regenpause konnten auch wir uns noch 1,5 Stunden hinlegen. Am morgen schauten wir uns weiter  um, sahen das „heilige Wasser“,  das viele Menschen in Flaschen mitnehmen,  um es zu trinken wenn sie krank sind, kauften noch Souvenirs und machten uns gegen 9 Uhr morgens wieder auf den Rückweg (diesmal mit dem Bus), um endlich dem Regen zu entkommen… In die Kirche kam man an diesem Tag leider nicht rein, deshalb wollen wir unbedingt nochmal wann anders hinfahren. Aber in so einer Menschenmenge einen so weiten Weg zu laufen war trotz des bescheidenen Wetters eine einmalige Erfahrung! Deshalb kann ich nur sagen: Cansada y mojada –  pero feliz (Müde und nass – aber glücklich) und bereue nichts, trotz der eingefangenen Erkältung. 

Der typische Chipa Backofen 

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