Techo – para un mundo sin pobreza (Techo – für eine Welt ohne Armut) 

Durch den ganzen Weihnachtsstress bin ich etwas im Verzug und muss unbedingt noch über mein Wochenende vor Weihnachten berichten. Dort habe ich an einer sehr coolen Aktion von der Organisation Techo teilgenommen. Techo ist eine Nichtregierungsorganisation, die Mithilfe von vielen Freiwilligen die Armut in Lateinamerika bekämpft. Sie wurde in Chile gegründet und ist heute in 2o lateinamerikanischen Ländern aktiv. Letztes Wochenende habe auch ich „Techo“ (Dach) als Freiwillige bei der construccion de navidad (Weihnachtskonstruktion) unterstützt, um Häuser für sehr arme Familien zu bauen. Die Familien werden schon Monate vorher ausgewählt. Insgesmat kostet ein Haus  ungefähr 1200€, davon bezahlt die Familie ungefähr 100€ und der Rest wird von Spenden finanziert. An diesem Wochenende wurden Häuser für 40 Familien in Luque und Capiatá gebaut, mit geschätzt 240 Freiwilligen. Am Freitag Abend ging es für mich mit dem Bus nach Luque, eine Stadt neben Asunción. Untergebracht waren wir Freiwilligen in einer Schule, direkt in dem Stadtteil in dem wir bauen. Wir kamen erst sehr spät an und sind nach dem Abendessen und einer Vorstellungsrunde auch direkt schlafen gegangen. Nach einer mehr oder weniger erholsamen Nacht (mit Schlafsack auf dem Boden) war um 6 Uhr aufstehen angesagt. Trotzdem waren wir voller Motivation und Tatendrang. Nach dem Frühstück und einer kurzen Einweisung über den Teil,  der samstags gebaut werden sollte, ging es dann mit Hammer, Handschuhen,  Maßband und Schaufel bewaffnet zu den Grundstücken. In der Schule waren wir an die 60 Leute und immer ungefähr zu sechst wurde  dann ein Haus gebaut. Die Familie für die meine Gruppe und ich das Haus bauen sollten, empfing uns schon aufgeregt. Es waren 5 Personen, die Eltern und 3 kleinere Kinder, die zwar bereits ein Haus aus einer Art Backstein besaßen, allerdings zu 5. in einem sehr beengtem Raum schliefen. Jeweils durch Vorhänge abgetrennt gab es ein kleines Bad mit Toilette und Dusche und einen kleine Raum mit Gasherd und Kühlschrank. Nun sollten sie  noch ein Techo Haus, und damit ein weiteres Zimmer in ihren Garten bekommen, um endlich, vorallem bei Regen, mehr Platz zu haben. Der Vater erzählte uns auch, dass er schon seit 6 Jahren auf dieses Haus wartet. Dann ging es los mit der Arbeit. Zuerst haben wir 15 Pfosten in den Boden eingegraben, die Mithilfe einer Wasserwaage (einem Schlauch mit Wasser drin) alle auf die selbe Höhe gebracht werden mussten. Der Vater der Familie half auch das ganze Wochenende mit.  

Stolzes Ergebnis des ersten Tages 

Dann war es auch schon Mittagessenszeit. Die Zutaten bringt Techo den Familien vorbei, die das dann für uns zubereiten. Am Nachmittag wurden dann Längsbalken auf den Pfosten befestigt, sowie 3 schon fertige Bodenplatten. 

Unser Arbeitstag endete ungefähr um 6 und dreckig und erschöpft ging es zurück in die Schule. Abends wurde dann noch gegessen und es gab  eine Diskussionsrunde über die Vor- und Nachteile eines solchen „Notfallhauses“. Bei Gitarre und spanischen Liedern klang der Tag dann erfolgreich aus und wir waren auch erst wieder ziemlich spät im Bett. Am Sonntag ging es dann weiter mit den Wänden, die auch bereits aus 6 fertigen Platten mit Öffnungen für Fenster und Tür bestanden, sowie dem Dach. Da es meine erste Konstruktion war, half ich vorallem beim Tragen und Halten der Wände während der Montage sowie beim Montieren der Fenster und Türen. Als dann alles fertig war, dekorierten wir den Innenraum noch ein wenig und es gab eine kleine Einweihung für die Familie, die ihr Weihnachtsfest nun schon im neuen Haus verbringen konnte. 

Es war eine einmalige Erfahrung und ein unglaubliches Gefühl am Ende zu sehen, was man alles schaffen kann und was alles möglich ist, wenn man es nur möchte. Und die Freude dieser Familie zu sehen, über das schönste Weihnachtsgeschenk, was man sich vorstellen kann. Am Samstag Abend wurden auch Impulse gegeben um einmal über folgende Fragen nachzudenken: Wie viele Schritte machst du vom Bett bis ins Bad? Vom Bett bis zum Kühlschrank? Wann hast du das letzte Mal darüber nachgedacht, wie wertvoll ein Dach über deinem Kopf ist? 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s